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Motörhead

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Biografie

Motörhead wurden 1975 von Ian "Lemmy" Kilmister (bg, voc), als Sohn eines Pfarrers am 24. Dezember 1945 in Stoke-on-Trent, Staffordshire, geboren, zusammengenietet, der als Roadie für Jimi Hendrix gefront hatte, 1971 kurzfristig der Gruppe Hawkwind beisprang, 1974 wegen exzessiven Drogenkonsums straffällig wurde und das Ensemble verlassen musste, dem er einen Song mit dem Titel Motorhead hinterließ. Auf seinem Verstärker stand: "49 % Motherfucker, 51% Son of a Bitch."

Lemmy Kilmister gründete mit Larry Wallis (g), Lucas Fox (dr) das Trio Bastard, entschied sich aber dann doch für den zündenderen Namen Motörhead mit dem (seit Blue Öyster Cult) im Heavy Metal als chic empfundenen Umlaut, ein Synonym für Speed Freak, Konsument chemischer Drogen. Spätere Bandmitglieder schrieben sogar ihre Spitznamen mit Umlaut, sie nannten sich Wizzö und Würzel. Als der Lemmy-Trupp im Oktober 1975 im Vorprogramm von Blue Öyster Cult in London zum ersten Mal auftrat, wurde er von der britischen Musikpresse nahezu kollektiv als "schlechteste Band der Welt" geschmäht. Tumultuöse Rangeleien um Verträge, Repertoire und Mitspieler verzögerten das Erscheinen des ersten Albums bis 1977.

Motörhead, mit "Fast" Eddie Clarke (g), geb. am 5. Oktober 1950, Philip "Philthy Animal" Taylor (dr), geb. am 21. September 1954 in Chesterfield, eingespielt, bot überkreischte Gitarren, Riffs wie Kettensägen, rotzigen Gesang und Texte voll überdrehter Macho-Selbstgefälligkeit. Weitere LP-Titel wie Overkill, Bomber, On Parole, Iron Fist betonierten programmatisch das Dampframmenimage der Band, die ihre Instrumentalsoli nie länger dehnte, "als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen" ("New Musical Express").

Die drei Tank-Rocker kamen bei Heavy Metal-Freaks und Punk-Fans gleichermaßen an, denn "sie leisteten für Metal, was Punk für Rock ’n’ Roll bewirkt hatte: Sie ließen allen Firlefanz beiseite, verlegten sich auf reine Speed-Musik, volle Power und totale Lautstärke, behielten aber dabei doch das klassische Erscheinungsbild und die aufreizende Hässlichkeit, die die Schmuddelfiguren des Genres auszeichnet" ("Village Voice"). "Stereo Review" war sich sicher: "Sie wissen, dass sie wie die Tiere sind, und sie wollen auch als gar nichts anderes erscheinen. Wo im Heavy Metal so viele hässliche Frösche herumspringen, die sich einbilden, sie seien Gottes Geschenk an die Frauen, kommen einem diese Quasimodos sogar irgendwie charmant vor."

Ihre Chartkarriere konnte beeindrucken: Das erste Album Motörhead (1977) kam auf Platz 43 der englischen Hitliste, Overkill (1979) auf 24, Bomber (1979) auf zwölf, Ace Of Spades (1980) auf vier, das Live-Album No Sleep ’til Hammersmith (1981) ganz an die Spitze. Mit dieser "längst legendären" LP, so Philipp Roser in "Good Times", habe sich "das Trio selbst zu Königen der New Wave of British Heavy Metal gekrönt. Danach stürzte die Band zwar nicht ins Bodenlose, doch Vergleichbares gelang ihr auch nicht mehr."

1982 wechselte Brian Robertson (dr) von Thin Lizzy vorübergehend für Taylor zu Motörhead und trug dazu bei, "dass aus der simplizistischen, radikalen, todesverachtenden, lauten Idiotenrockband mit grunzend-hymnisch-guten Songs, an denen Speedfreaks mit Freude am Ausgemergelten und Intellektuelle mit Spaß am Süffisanten gleichermaßen ihre brüllend-idiotische Freude hatten, eine ganz normale Heavy Metal-Band wurde" (Kritiker Diedrich Diederichsen).

1983 schließlich verließen Robertson und Taylor die Band und wurden durch Phil "Wizzö" Campbell, geb. am 7. Mai 1961 in Pontypridd, und Würzel, als Michael Burston am 23. Oktober 1943 in Cheltenham geboren, ersetzt. Mit dem früheren Saxon-Drummer Pete Gill wuchs Motörhead wieder zum Quartett. Mit Orgasmatron (1986) und Rock ’n’ Roll (1987) versuchten Lemmy und seine neuen Kumpel 1986/87 an die Zeiten der Overkill-Live-LP No Sleep ’til Hammersmith anzudocken, als der hochphonige Sound "beinahe garantiert Lautsprecher zum Schmelzen brachte, Verstärkern die Sicherungen rausschlug und Plattenspieler zum Kurzschluss trieb – als bestes Beispiel hochgetrimmter Energie seit Live At Leeds von den Who" (Kritiker Mike Clifford).

Lemmy lebte und spielte bewusst auf Risiko, denn "mir ist es völlig wurscht, ob ich arm sterbe oder heute Nacht draufgehe. Mir ist es doch die Jahre über verflucht gut gegangen. Ich hab das erlebt, was drei normale Leute zusammen nicht erleben können. Vorher habe ich im Ersatzteillager einer Waschmaschinenfabrik gearbeitet, und das war weiß Gott kein Vergnügen. Also zum Teufel mit der Sicherheit." Unter Spaß verstand Lemmy, Experte und Sammler von Nazi-Devotionalien, der Adolf Hitlers Serviette eingerahmt an der Wand hängen hatte, vor allem Feiern und Saufen. Diese Lebensweise gab er auch im fitnessbewussten Kalifornien nicht auf, wohin er seinen Wohnsitz verlegt hatte.

1991 bestand Motörhead, inzwischen bei Epic/CBS unter Vertrag, aus ihm, Burston, dem zurückgekehrten Taylor und Campbell. Ihr Album 1916 wurde von den Fans der Band gebührend gefeiert. "Motörhead ist wieder da, wo sie schon seit langer Zeit hingehören", jubelte "Record Collector" über Platz 24 in den britischen Charts. In Worten: Platz vierundzwanzig. Bei größtem Krach kleine Umsätze. "Dieselbe unveränderte Richtung", notierte "Q" über March Ör Die (1992), obwohl Ozzy Osbourne und Slash von Guns N’ Roses als Gäste mitgerockt hatten. Zu Bastards (1993) auf dem eigenen Motörhead-Label fiel dem Blatt nur noch ein: "Der Lärm hält an." Lemmy verkleinerte die Band und spielte 1997 mit Phil Campbell (g) und Mikkey Dee (dr) Snake Bite Love ein. "So wurde schon vor 30 Jahren Rock ’n’ Roll geschmiedet", glaubte "Musikexpress", "so wird er auch noch im Jahr 2063 funktionieren."

Doch für derlei Euphorie gab es kaum Anlass. Gegenüber Bands wie Black Sabbath oder Metallica spielten Motörhead allenfalls in der zweiten Liga. Da war eher Mitgefühl angebracht. Nach dem Eindruck von Hammered (2002) war Frank Schäfer vom deutschen "Rolling Stone" "beinahe angerührt von der Hingabe, mit der sich diese ausgelaugte, zerdellte, kranke Stimme in den beinahe zu glatten Chorus wirft, Melodien generiert, die einfach kein Mensch von diesem zynischen harten Knochen mehr erwarten konnte". Zu Inferno (2004) vermerkte Stefan Krulle im "WOM Journal", inzwischen mache Lemmy Musik wie alte Männer Sex: "Das Heftigste am Anfang, nachher kann auch Streicheln schön sein."

Tatsächlich klang das "gnadenlos durchgebretterte" Album, bei dem sich "ein Monster-Riff an das andere fügt, als gäbe es kein Morgen mehr" (Franz Stengel, "Musikexpress"), mit einem akustisch hinreißend musizierten Whorehouse Blues aus. Parallel zu Inferno erschien Kilmisters 2001 in London erschienene Autobiographie "White Line Fever" im J. P. Verlag, Berlin, auf Deutsch. Als "eine Rocker Soap mit Betäubungsmittelanekdoten, Knastaufenthalten, vielen beziehungstechnischen Unzulänglichkeiten und dem Unverständnis, warum, verdammt nochmal, die Welt nicht anerkennen will, dass Motörhead noch immer eine sehr wichtige Band sind" (so Oliver Rohlf in der "Berliner Zeitung"), "bestätigte das Buch lediglich die Vermutung, dass Lemmy und seine Band über die Jahre viel mitgemacht haben müssen" (so Harald Peters in der "Berliner Zeitung"): "Nur konnte sich Lemmy daran leider nicht mehr so genau erinnern."

Nach dem für die DVD/CD Boneshaker: 25 & Alive (2001) sowie das CD-Doppelalbum Live At Brixton Academy (2003) mitgeschnittenen Konzert zum 25-jährigen Jubiläum mit dem Trio und Gästen begingen Lemmy Kilmister, Wizzö Campbell und Mikkey Dee am 16. Juni 2005 in Londons Hammersmith Odeon den 30. Bandgeburtstag. Bis zum Jahr 2063 war es allerdings immer noch ziemlich weit. 2008 konnte Mikkey Dee nicht mit Motörhead auf Tour gehen, weil er an einer schwedischen Reality-TV-Produktion beteiligt war. Matt Sorum, ehemals Guns N’ Roses, sprang für ihn in die Bresche. Auf Motörizer (2008) war Dee jedoch wieder an Bord.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Motörhead (1977)
Overkill (1979)
Bomber (1979)
Ace Of Spades (1980)
On Parole (1980 Aufnahmen von 1976)
No Sleep ’til Hammersmith (1981)
Iron Fist (1982)
Another Perfect Day (1983)
What’s Words Worth (1983)
Orgasmatron (1986)
Rock ’n’Roll (1987)
No Sleep At All (1988)
1916 (1991)
Meltdown (1991)
March Ör Die (1992)
Live (1992)
Bastards (1993)
Overnight Sensation (1996)
Snake Bite Love (1998)
Everything Louder Than Everyone Else (1999)
We Are Motörhead (2000)
Boneshaker:
25 & Alice (2001)
Hammered (2002)
Live At Brixton Academy (2003)
Inferno (2004)
BBC Live & In-Session (2005 Aufnahmen von 1978–1986)
Kiss Of Death (2006)
Better Motörhead Than Dead, Live At Hammersmith (2007)
Motörizer (2008)
The Wörld Is Yours (2010)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Beer Drinkers (1982)
No Remorse (1984)
The Best Of (1985)
Protect The Innocent (1997 4-CD-Box)
Best Of (2000)
Stone Deaf Forever (2004)
The Essential (2007)

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