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Johnson,Robert

Johnson,Robert

Biografie

Robert Johnson (voc, g), am 8. Mai 1911 in Hazelhurst, Mississippi, geboren, beeinflusste mit seinem ausdrucksstarken Bottleneck-Gitarrenspiel und seinem kompositorischen Ideenreichtum Rock- und Bluesmusiker gleichermaßen. Muddy Waters sang den Walkin’ Blues nach, den Johnson von seinem Mentor Son House übernommen hatte. Elmore James übertrug Dust My Broom auf die E-Gitarre und beanspruchte dafür das Copyright. Eric Clapton spielte mit Cream Crossroads ein, die Rolling Stones coverten Stop Breaking Down und kopierten, ohne Quellenangabe, Love In Vain, Led Zeppelin bestückten ihre zweite LP mit Johnson-Riffs und -Verszeilen ( Lemon Song), Captain Beefheart packte Johnsons Terraplane Blues auf seine LP Mirror Man, Delaney & Bonnie zollten dem King Of The Delta Blues (Album-Titel) mit Poor Elijah und Come On In My Kitchen Tribut. "Der scharfe Klang der Gitarre konnte schier die Fenster zum Zerspringen bringen", schrieb Bob Dylan in seiner Autobiographie "Chronicles, Vol. One": "Als Johnson anfing zu singen, hatte ich den Eindruck, dass er in voller Rüstung der Stirn des Zeus entsprungen war. Ich erkannte sofort den Unterschied zwischen Johnson und allen anderen, die ich jemals gehört hatte. Seine Songs waren keine gewöhnlichen Bluesstücke. Sie waren perfekt. Jeder Song hatte vier oder fünf Strophen, und jedes Reimpaar war in das nächste verschlungen, wenn auch nicht so, dass es einem gleich auffiel. Die Songs flossen so unglaublich geschmeidig dahin. Beim ersten Hören waren sie schnell vorbei, so schnell, dass man unmöglich alles mitbekommen konnte. Sie behandelten die unterschiedlichsten Gegenstände und Gebiete. Aus kurzen, kraftvollen Strophen entwickelte sich das Panorama einer Geschichte. Auf diesem rotierenden Stück Plastik loderten die Feuer der Menschheit."

Mit nur 29 Aufnahmen aus drei Sessions 1936 und 1937 wurde Robert Johnson zum einflussreichsten unter den Delta-Bluessängern und, als deren rätselhaftester und unheimlichster, eine Legende, nachdem er im Alter von 27 Jahren gestorben war. In ihrem Buch "Verschlusssache Magie" (London/München 1997) beschrieben ihn Michael Baigent und Richard Leigh als "einen Voodoo-Eingeweihten, der über eine infernalische magische Kraft verfügte und dessen Geschicklichkeit auf der Gitarre einem faustischen Pakt zugeschrieben wurde, den er an einem Scheideweg geschlossen haben soll". Sein Crossroads Blues begann: "Ich begab mich an den Kreuzweg und kniete nieder …" Dann folgten Bilder und Metaphern, wie sie in Voodoo-Ritualen verwendet werden. Auch in Songs wie Hellhound On My Trail oder Me And The Devil Blues ("Good morning, Satan, I believe it’s time to go") registrierten die Autoren "dämonische Magie". C. S. Murray zi-tiert in seinem Buch "Crosstown Traffic" (London 1996) Muddy Waters über Johnson: "Er war ein gefährlicher Mensch … und er hat die Gitarre wirklich zu verwenden gewusst … Ich schlich weg und machte mich davon, denn das war zu heavy für mich."

Peter Guralnicks "Searching for Robert Johnson" (New York 1988) zufolge wuchs der uneheliche Sohn von Noah Johnson und Julia Dodds bei mehreren Stiefvätern auf, denen Julia zu Diensten war, darunter ein Charles Spencer, der sich gleich zwei Frauen hielt, sowie ein Willie "Dustin" Willis in Robinsonville, 40 Meilen südlich von Memphis. Robert ging selten zur Schule, streunte herum, spielte Harmonika und lernte von Wandersängern wie Charley Patton und Willie Brown Gitarre. Mit 17 heiratete er 1929 Virginia Travis, die bei der Totgeburt seines ersten Kindes auch selber starb. Nach der Begegnung mit dem einflussreichen Bluesmann Son House kehrte er heim nach Hazelhurst, arbeitete als Baumwollpflücker und geriet unter den magischen und musikalischen Einfluss eines obskuren Voodoo-Musikers namens Ike Zinneman, der ihm auf Grabsteinen sitzend Gitarrengriffe beigebracht haben soll. Er heiratete Calletta Craft, die einen Nervenzusammenbruch erlitt und kurz darauf starb, als er sie verließ. Er ließ sich in Helena, Arkansas, nieder, musizierte mit der Creme des Country Blues – Elmore James, Howlin’ Wolf, Memphis Slim, Sonny Boy Williamson etc. – und adoptierte inoffiziell den unehelichen Sohn seiner Geliebten Estrella Coleman, Robert Lockwood Jr., der als Bluesspieler in seine Fußstapfen trat. Auf Trampfahrten kam er mit seiner Gitarre bis nach New York und nach Kanada. Am 23. November 1936 nahm er für Columbias Blues-Label Vocalion seine erste Schallplatte auf, den Bestseller Terraplane Blues.
Im August 1938 spielte er in einer Kaschemme in Greenwood, Mississippi, seinen letzten Gig. Der Kneipenbesitzer, dessen Frau der Erotomane Johnson zuvor einmal gefickt hatte, stellte ihm eine offene Flasche Whiskey aufs Podium. Sonny Boy Williamson, der dabei war, warnte ihn vergeblich, daraus zu trinken. Drei Tage später, am 16. August 1938, war er tot. Bevor man ihn an einer unmarkierten Stelle verscharrte, wurden Lungenentzündung und eine Strychninvergiftung als Todesursache festgestellt.

Als der Plattenproduzent John Hammond (siehe Bio) Robert Johnson Ende 1938 zu seinem legendären Konzert "Spirituals to Swing" in der New Yorker Carnegie Hall verpflichten wollte, kam er zu spät. Johnson und seine Musik wurden vergessen. Seine Platten erzielten als seltene, obskure Raritäten bei Sammlern Höchstpreise. Die Schellackscheibe mit dem Crossroad Blues wechselte einmal für 3000 Dollar den Besitzer. Erst mit dem nur zögerlich veröffentlichten Album King Of The Delta Blues Singers (1961) wurde er wiederentdeckt.

Als Columbia 1990 The Complete Recordings, 29 Songs und zwölf Outtakes, herausbrachte, verkaufte sich das Doppelalbum für einen Moment rasanter als der letzte Schrei von Madonna. Mehr als eine Million Exemplare wurden weltweit abgesetzt. "53 Jahre nach seinem Tod", schrieb die "New York Times", "ist Robert Johnson ein Popstar." Er bekam auch einen Grammy: "Best Historical Recording".

Und sogleich gingen Musikhistoriker an die Arbeit, um die Frage zu klären: "Was Robert Johnson really the first rocker?" (so Tony Sherman 1998 in der "New York Times"). Eine ganze Woche, vom 20. bis 27. Juni 1998, tagten Forscher in der Rock and Roll Hall of Fame in Cincinnati, Ohio, mit Diskussionsthemen wie "Me and the Devil Blues: The Mythology of Robert Johnson" oder "The Impact of Robert Johnson on Jazz". Dazu musizierten Taj Mahal, Cassandra Wilson, Keb’ Mo, Bob Weir, John Hammond Jr., Sonny Landreth, die Allman Brothers in zwei Tribute-Konzerten und einer Jam Session. Eine von Danny Glover moderierte Film-Dokumentation über Johnson ("Can’t You Hear the Wind Howl"), wurde uraufgeführt.

Ob er nun der erste Rocker war oder nicht: "Nach dreißigjähriger Beschäftigung mit seinem Werk", erklärte Tony Sherman, "bin ich mir sicherer denn je, dass Robert Johnson als amerikanischer Künstler mit unseren größten Poeten, Schriftstellern, Malern und Komponisten verglichen werden muss. Sein Abstand zum Spiel anderer großer Delta Blues-Musiker wie Charlie Patton oder Son House ist der zwischen Meisterschaft und Genie."

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

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