GORILLAZ
Biografie
Gorillaz , 1999 in London gegründet, war die erste virtuelle Band, die ihre wahre Identität hinter einer perfekt designten Manga-Oberfläche versteckte. Zwar gab es auch schon vor ihnen Gruppen, die mit ihren wirklichen Personalien hinter den Berg hielten, aber die Gorillaz machten kein Geheimnis aus ihren Mitgliedern. Ihre Comic-Inszenierung war nur dermaßen überzeugend, dass die leibhaftigen Musiker von dem Gesamtkunstwerk abgelenkt hätten. Die Musik der lebhaften Animatio-nen war indes genauso schrill, bunt, vielfältig und provokant wie ihre visuellen Images. Der vielleicht konsequenteste Ausdruck virtueller Postmoderne im neuen Jahrtausend übersteigerte die Gesetzmäßigkeiten moderner Pop-Vermarktung, indem er die mediale Wahrnehmung über die genuine Schöpfung stellte. Mit Gorillaz hatte sich die Wirklichkeit des Pop endgültig von der gesellschaftlichen Realität gelöst – und machte auch noch Spaß.
Die Idee zu einem Manga-Rock-Projekt kam Blur-Sänger Damon Albarn und Comic-Zeichner Jamie Hewlett (Tank Girl) aus Unzufriedenheit über den real existierenden Musikbetrieb. Eine Comic Band hätte keine Erwartungen zu erfüllen, sondern konnte alle Klischees beliebig erweitern und übersteigern. Hewlett entwarf vier Figuren. Hinter Murdoc steckte er selbst, 2-D war die Inkarnation von Albarn. Hinzu kamen Russell (Del Tha Funky Homosapien, dr) und Noodle (Miho Hitaro von der Band Cibo Matto, kb). Jeder der Charaktere wurde mit einer stimmigen Biographie einschließlich diversen Stärken, Marotten und musikalischen Vorlieben ausgestattet, die es der Band gestatteten, sich in jede beliebige Richtung zu entwickeln.
Noch vor der ersten Veröffentlichung gelangten die vier Kreaturen via Internet zum Leben. Ende 2000 war das Image ausreichend lanciert, und man konnte mit Tomorrow Comes Today und Clint Eastwood die ersten beiden Singles in die Charts bugsieren. Das Debütalbum Gorillaz deckte alle stilistischen Facetten von Punk über HipHop bis Ska und Reggae ab. Ihre Auftritte bestritten die echten Musiker hinter einer Leinwand, über die ihre animierten Abbilder flitzten. Leider fehlte es den Gorillaz an Energie und Durchsetzungskraft, ihr skurriles Projekt weiter durchzuziehen. Nach ihrem gelungenen Einstand beschränkten sie sich auf das Outtake-Album G-Sides und die Remix-CD Laika Come Home (2004).
Erst 2005 kehrte das auf Albarn, der sich zwischenzeitlich wieder Blur (siehe Bio) gewidmet hatte, und Hewlett geschrumpfte Duo mit Demon Days zurück. Mit Gästen wie Neneh Cherry, Roots Manuva und De La Soul holten Gorillaz zu einem düsteren Rundumschlag voller sozialem Sprengstoff aus. Dazu gab es fiktive Interviews via Internet und eine Homebase, auf der sich Fans und Medien in die scheinbar echte Welt der Gorillaz einklicken konnten. "Eine hübsche Traumwelt, ein lustiger Abenteuerspielplatz. Manche finden’s super, andere jetzt schon nervig, den Dritten ist’s egal. Doch leugnen kann keiner: Die Gorillaz bereichern die moderne Popkultur um eine individuelle Facette. Allein das ist schon eine Kunst" ("Visions").
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Gorillaz (2001)
G-Sides (2002)
Laika Come Home (2004)
Demon Days (2005)
D-Sides (2007)
Plastic Beach (2010)
The Fall (2010)


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