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Asian Dub Foundation

Asian Dub Foundation

Biografie

Asian Dub Foundation , 1993 in London gegründet, waren keine Band im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Bildungseinrichtung, die Songs als Katalysatoren für politische Botschaften einsetzte. Neben Gruppen wie Fun-Da-Mental, Cornershop und Transglobal Underground waren sie entscheidend daran beteiligt, Pop, Rock und Industrial von den britischen Inseln um die musikalischen Einflüsse Asiens zu erweitern. Dabei wanderten Asian Dub Foundation "nicht zwischen den Kulturen – zumindest nicht in dem Sinne und nicht mit der akademischen Arroganz weißer Mittelstandsmusiker wie Peter Gabriel, die eher plündern als wandern –, vielmehr bezogen ADF Kraft und Inspiration aus ihrem unmittelbaren Umfeld" ("Visions"), der politischen und sozialen Realität der britischen Suburbs. "30 Jahre nach Tom Wolfe haben Asian Dub Foundation die Kunst des radikalen Schicks neu definiert" ("The Times", London). Jazz-Gitarrist John McLaughlin nannte Asian Dub Foundation einen wesentlichen Anstoß zur Reformation seiner Band Shakti.

Im September 1993 lud John Stevens den Musiker Aniruddha Das und den Jugendarbeiter John Pandit zu einem Kurs seines Community Music Project im Londoner Vorort Farrington ein, um asiatischen Kindern die Grundlagen der Musiktechnik beizubringen. Sie zogen den bengalischen Rapper Deeder Zaman von Fun-Da-Mental hinzu. Die gute Zusammenarbeit in diesem Kurs resultierte in dem Beschluss der drei, als Dr. Das (bg, programming), Pandit G. (turntables) und Master D (voc, programming) ein Soundsystem nach Vorbild jamaikanischer Gruppen zu gründen. Um ihren Radius zu erweitern, heuerten sie 1994 den Gitarristen Steve Chandra Savale alias Chandra Sonic, früher bei Higher Intelligence Agency, an, der seine Gitarre wie eine Sitar stimmte und somit den asiatischen Ton der Band eigentlich erst begründete. Auf dem Höhepunkt rassistischer antiasiatischer Gewalt in Großbritannien beschlossen Asian Dub Foundation, einen politischen Kontrapunkt zu setzen.

1994 erschien ihre Debüt-EP Conscious, auf der sie Elemente von Dub, HipHop, Ska, Punk und Ambient zu einer explosiven Mischung verbanden. Auf anschließenden Konzerten "erspielten sie sich den Ruf der besten Live-Band Englands" ("Melody Maker"). Asian Dub Foundation rekrutierten ihre Fans nicht nur im stets nach dem neuesten Trend gierenden englischen Club-Publikum, sondern in der wesentlich konsistenteren Antifa-Bewegung, zu deren Sprechern sie avancierten. Sie erweiterten ihre Besetzung um den zweiten DJ Sun J und den Tänzer Bubble E.

Ihr erstes Album Facts And Fictions (1995) klang "wie der Soundtrack zu einem gewalttätigen und sehr schnellen Thriller, in dem Tee trinkende Cyberpunks in Hilfiger-Anoraks auf gelblackierten Elefanten durchs verseuchte Bhopal brettern und von fiesen Wall-Street-Brokern auf Indian-Motorrädern verfolgt werden" ("WOM Journal"). Dieser Trip fand jedoch nicht nur Anhänger, sondern verstörte auch viele Hörer, weshalb die zweite ADF-Platte R.A.F.I. (1997) nur in Frankreich erschien, da der multikulturelle Ansatz der Band bei den Franzosen auf wesentlich fruchtbareren Boden fiel. 1998 begleiteten sie die Beastie Boys durch die USA und Kanada, während ihr Album Rafi’s Revenge (1998) nun weltweit erschien und die Band sogar noch den Live-Mitschnitt Conscious Party (1998) hinterherschob. Im Frühjahr 1999 folgte eine erste US-Tournee als Headliner und später eine gemeinsame Reise mit Rage Against the Machine, auf der die Band abermals ihre Fan-Basis erweitern konnte.

Als Tribut an ihre Wurzeln verstanden Asian Dub Foundation das Album Community Music (2000), auf dem sie zündenden Raggamuffin mit den traditionsreichen Shouts des pakistanischen Sängers Nusrat Fateh Ali Khan verbanden. Als erste Platte seit sieben Jahren erhielt das opulente Werk zehn von zehn möglichen Bewertungspunkten im "NME". Trotz ihres kommerziellen Erfolges weiterhin unermüdlich an der vordersten Front gegen Globalisierung, Rassismus, Ausbeutung und Krieg aktiv, schlugen ADF auf Enemy Of The Enemy erstaunlich leise, balladeske Töne an. Nicht ohne Absicht, wie Pandit G. in "Tip" bekräftigte: "Unsere sanfteren Stücke erreichen Menschen, die mit den aggressiveren Songs wenig anfangen können. Es wäre ermüdend, sich immer nur an dieselbe Klientel zu wenden."

Die anschließenden Tourneen dokumentierte die Band druckvoll auf dem Live-Album Keep Banging’ On The Walls (2003). Für das nächste Studiowerk Tank (2005) holte man sich zur vokalen Verstärkung den Reggae-Sänger Ghetto Priest, der bis dahin vor allem in Adrian Sherwoods On-U-Sound-Zirkel aktiv war. Sein entrückter Gesang bildete einen auffälligen Kontrapunkt zum sich scheinbar selbst überrundenden Highspeed-Puls der CD. An ihrer grundsätzlichen Arbeitsweise habe sich nichts geändert, bemerkte ADF-Chefdenker Dr. Das gegenüber "Visions", aber "wir haben Zugriff auf neue Technologien. Jeder von uns macht unentwegt Musik, erzeugt auf Laptops, Turntables und anderen Instrumenten Sounds und kommuniziert diese mit anderen Bandmitgliedern. Unsere Musik entsteht kollektiv. Wir sind konstant offen für alles, was in der Welt passiert. Wir reden darüber und finden Wege, diese Prozesse in unsere Musik einfließen zu lassen. Das ist ein offener Prozess."

Mit ihrem deutlichen Bekenntnis gegen den Irak-Krieg und die amerikanische Expansion in der Dritten Welt blieb die Asian Dub Foundation ihrem ursprünglichen Anspruch treu, sich unter wechselnden äußeren Parametern unentwegt inhaltlich, technisch und personell neu aufzustellen.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Facts And Fictions (1995)
R.A.F.I. (1997)
Rafi’s Revenge (1998)
Conscious Party (1998)
Community Music (2000)
Enemy Of The Enemy (2003)
Keep Bangin’ On The Walls (2003)
Tank (2005)
Punkara (2008)

Zusammenstellung:
Frontline 1993–1997 – Rarities And Remixes (2001)

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