Start | Ashanti | Rowohlt-Biografie

Ashanti

Ashanti

Biografie

Ashanti Shequoiya Douglas (voc), geboren am 13. Oktober 1980 in Glen Cove, Long Island, N.Y., verblüffte Amerikas Experten für Musik-Marketing, als ihre Singles What’s Luv? (mit Fat Joe), Always On Time (mit dem Rapper Ja Rule) 2002 gleichzeitig die Positionen eins und zwei der US-Pop-Charts okkupierten. Als ihre Single Foolish hinzukam, hatte sie ganze drei Titel parallel in den Top Ten. Das war seit den Tagen der Beatles vor knapp vier Jahrzehnten nicht mehr passiert. Ashantis gleichnamiges Debütalbum, sofort Platz eins auf den LP-Charts, ging in der ersten Woche 503 000-mal über den Ladentisch und stellte damit einen Rekord unter den R & B-Interpretinnen auf.

Da der Erfolg allein mit der lieblichen, aber kleinen Stimme nicht zu erklären war, wurde nach anderen Ursachen gesucht. Ihre Duette mit jungen Männern seien wie die Episoden einer TV-Seifenoper angelegt, lautete eine der Deutungen. Es seien allesamt Beziehungskisten mit offenem Ausgang, die wie Cliffhanger im Fernsehen einen Spannungssog zur nächsten Episode erzeugten. Da die Vertriebsfirma Def Jam dem Handel auf das Ashanti-Debütalbum in den ersten beiden Wochen einen Sonderrabatt von zwei Dollar eingeräumt hatte, wurden unlautere Verkaufsmethoden unterstellt. Andere spekulierten, ihr Executive Producer Irv Gotti, Chef des Labels Murder Inc. mit verwandtschaftlicher Nähe zur größten New Yorker Mafia-Familie, habe möglicherweise Medien-Exponenten Angebote gemacht, "die sie nicht ablehnen konnten".

Am dichtesten kam vermutlich die "New York Times" an die Lösung des Rätsels heran. Noch vor ein paar Jahren sei eine Erscheinung wie Ashanti, so die Journalistin Kelefa Sanneh im Mai 2002, ein Widerspruch in sich ("an impossible contradiction") gewesen: "Zu säuberlich für Rap-Fans, einer kriminellen Vorstellungswelt zu nah, um den Mainstream zu begeistern." Diesen Gegensatz und das Vorurteil der street credibility aufgehoben zu haben, sei der neue Trend: "The combination of a pretty singing voice and a hard rapping voice is becoming a genre unto itself", wofür Frau Sanneh sogleich Belege fand. Im Februar 2002 waren die Sängerin Gwen Stefani und die Rapperin Eve erstmals in der neuen Kategorie "Best Rap/Sung Collaboration" mit einem Grammy ausgezeichnet worden. Kurz davor hatten Jay Z und R. Kelly das erste bemerkenswerte Rapper/Sänger-Album The Best Of Both Worlds vorgelegt. In der ersten Maiwoche 2002 waren elf der 40 bestverkauften US-Singles Rapper/Sänger-Kombinationen. Fünf davon stammten von Ashanti, von Ja Rule oder von beiden.

Der Beweis erschien stichhaltig: Ohne dieses Umfeld hätte es ein harmloser Post-Teenager, dessen einzige Gefährlichkeit in der stereotyp wiederholten Behauptung lag, sie sei eine lupenreine Afroamerikanerin, schwerlich zu einer derartigen Hit-Serie, einer solchen Flut von Preis-Nominierungen und einem Grammy für das "Best Contemporary R & B Album" ( Ashanti) gebracht.

Dass sie singen konnte, wurde die Familie erstmals gewahr, als Mama Tina Douglas die Stimme der Zehnjährigen mit Radioempfang verwechselte. Vater Thomas Douglas, selbst ein ehemaliger Popsänger, stimmte die Tochter fortan auf eine Showbiz-Karriere ein. Nachdem sich Ashanti in Alternative zu einem Stipendium an der Hampton University, Long Island, endgültig zu einer solchen entschlossen und auf eigene Initiative bei der Epic-Niederlassung in Atlanta, Georgia, auf dem Epic-Sublabel Noontime erste erfolglose Schritte in diese Richtung unternommen hatte, übernahm die Mutter als "Momanager" die Führung. Sie bewirkte ein Treffen mit Irv Gotti, den Ashantis Stimme so beeindruckte, dass er ihr Background-Jobs für seine Rapper anbot.

Das naive Ding bejubelt ihre neue Firma "Murder Incorporated" (Mord GmbH) gegenüber der "New York Times": "Wir werden, sag ich mal, jeden ermorden in dieser Industrie." Dann, abwiegelnd: "Das soll ja nicht heißen, wir werden sie erschießen! Wir killen die Industrie mit unseren Künstlern, indem wir heiße Platten machen." Die erste Single How We Roll mit dem Rapper Big Pun etablierte sie als eine hübsche Stimme, die zweite, Always In Time mit Ja Rule, "as a character" (Sanneh). Gegenüber dem Macho gab sie das freche Gör, das ihm zu Willen ist, aber durchaus mit einem eigenen Geheimnis. Ja Rule: "The stormy night you wrote a "Dear Ja" letter / And took my Benz and keyed and cut the leather …" Ashanti: "I’m not always there when you call / But I’m always on time."

Foolish, die erste Single unter ihrem eigenen Namen, war der innere Monolog einer jungen Frau, die ihren Liebhaber verlassen möchte, es aber nicht schafft: "Even when I pack my bags / There’s always something holding me back." Immer gab es diesen Rest Unsicherheit, wie es weitergeht, der den Fan auf den nächsten Song oder die nächste Platte warten ließ. Als das zweite Album Chapter II (2003) erschien, waren es schon so viele, dass die CD mit einer Ansagestimme begann: "Früher, auf Ashanti …", darauf folgte eine Collage aus Motiven ihrer Hits.

Doch der Reiz der Masche verbrauchte sich schnell. Chapter II platzierte sich zwar wieder an der Spitze der Pop-Charts, in der ersten Woche wurden aber nun wieder, anderen erfolgreichen Produktionen vergleichbar, durchschnittliche 326 000 Exemplare abgesetzt. Weltweit erreichte das Album eine Auflage von 2,5 Millionen. Concrete Rose, nach dem kaum erwähnenswerten Weihnachtsalbum Ashanti Christmas (2003) mit 100 000 Alben Weltauflage im Dezember 2004 veröffentlicht, schaffte in der ersten Woche nur mehr 245 000 Verkäufe und die Charts-Position sieben. Ein Jahr später legte Murder Inc. das Remix-Album zu Concrete Rose mit vier neuen Stücken nach, erzielte aber mit den Collectables By Ashanti (2005) ein geradezu katastrophales Ergebnis: Charts-Position 59 und ein Erstverkauf von 35 000 Tonträgern.

Zwar hatte die Sängerin mittlerweile auch außerhalb des Crackhouse-Tonstudios ihrer Firma in Greenwich Village Karriere gemacht (Ashanti: "In the industry, that’s what they call a hit record – a crack."), wie im HipHop üblich, hatte sie eine eigene Modelinie für Teenager ("Princess") aufgelegt, ein Lifestyle-Bilderbuch ("Ashanti Style") herausgegeben, Songs für sich selbst und die berühmten Kolleginnen Jennifer Lopez, Toni Braxton, Christina Milian verfasst und außerdem an mehreren Filmen wie "Bride and Pre-judice" (2005), "Coach Carter" (2006), "John Tucker Must Die" (2006) mitgewirkt. Ihr viertes reguläres Studioalbum The Declaration wollte sie unbedingt selbst produzieren und handelte sich damit langwierige Studio- und Rechtsprobleme ein. Es wurde für Juni 2008 angezeigt.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Ashanti (2002)
Chapter II (2003)
Ashanti Christmas (2003)
Concrete Rose (2004)
Collectables By Ashanti (2005)
Incredible (2007)
The Declaration (2008)

Ähnliche Künstler