Eric Andersen
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Biografie
Eric Andersen (voc, p, harm), am 14. Februar 1943 in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren, wurde 1964 von seiner Plattenfirma Vanguard als deren Dylan eingesetzt – zu einer Zeit, als Dylan selbst seine Gitarre elektrifizierte und sich thematisch von der Protestsongszene zurückzog. Andersen, ein Protegé von Tom Paxton, blieb dagegen unverstärkt und ließ in seinen romantischen Kompositionen kontroverse Tagesthemen mit Understatement anklingen. Zwar wurde er von der "New York Times" mit Recht als "einer der hervorragendsten jungen Song-Lyriker" gelobt, doch vermochte er auf Alben nicht immer zu überzeugen. Der Beatles-Manager Brian Epstein hätte Andersen vielleicht zu künstlerischem Profil verhelfen können, doch er starb vor der geplanten Vertragsunterzeichnung. Der schöne, scheue Junge gefiel auch Andy Warhol, der mit ihm 1966 den nie veröffentlichten Film "Space" drehte.
Zu dieser Zeit war Andersen mit Eric Clapton bekannt geworden, der ihm bei der Produktion seines Albums Avalanche Gitarrenhilfe leistete. Diese LP mit ihrer inkonsequenten Mischung aus Salon-Couplets, Blueswalzern, Gospelnummern und Protestklagen dokumentierte die künstlerische Richtungslosigkeit Andersens, die sich wenig überzeugend als Vielseitigkeit tarnte. Bei späteren Produktionen gelang ihm mehr stilistische Entschiedenheit: Durch sein Album Blue River (1972) zog ein sachtes Country-Feeling, das die meist träumerischen Songs in einen unaufdringlichen Stimmungsrahmen setzte. Musik galt für ihn nur dann als erfolgreich, wenn sie die Gefühle der Leute aktiviert: "Darum dreht sich doch alles in diesem Business. Die Leute zahlen Geld, um bei dir Gefühle zu sehen, weil sie sich viel zu sehr fürchten, selber welche zu zeigen. Man hat also die Aufgabe, ihre Gefühle zu reflektieren." Die Redakteure des "Rolling Stone" nickten: Sie notierten Andersens Ghosts Upon The Road (1989) als "eines der besten Alben der Achtziger". Stages, das 1973 produzierte eigentliche Folgealbum von Blue River, wurde erst 1991 veröffentlicht, weil zwischenzeitlich die Masterbänder verloren gegangen waren.
Zu dieser Zeit hatte sich der Künstler in Norwegen niedergelassen. Seine LP mit Rick Danko von The Band und dem skandinavischen Folk-Sänger Jonas Fjeld erhielt 1992 den Spellemans Pris, das norwegische Gegenstück zum Grammy. Während der Neunziger und danach pendelte Andersen zwischen Oslo und New York hin und her. Seine Platten aus dieser Zeit wurden von den Kritikern mit milder Zustimmung bedacht, manche warfen ihm Formelhaftigkeit vor. 1999 unternahm er einen Blues-Trip an den Mississippi und produzierte mit einem Ensemble namens Fat Possum Posse einige Songs für das Album You Can’t Relive The Past. Dieses, vermutete Uwe Meyer in "Good Times", scheine "eine klärende Wirkung auf Andersens Songwriting" gehabt zu haben. Jedenfalls wurde das folgende Doppelalbum Beat Avenue (2003) gelobt, "weil die Arrangements zwischen Folk und Rock stimmig sind" (Wolfgang Doebeling).
Das Titelstück, 26 Minuten lang, war "eine fesselnde Kurzgeschichte, vorgetragen mit tiefer, beinahe entrückter Stimme, zu jazzigem Geplätscher aus Keyboards, Flöte und Bläsern" (Doebeling). Andersen reflektierte darin noch einmal den 22. November 1963, an dem John F. Kennedy in Dallas, Texas, erschossen wurde. Er hatte diesen Tag nach einer Dichterlesung in der Gesellschaft von Beat-Poeten wie Allen Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti, Michael McClure, Nael Cassady mit Drinks und Räucherwerk in den Bergen bei San Francisco verbracht. Die Intensität, mit welcher der Troubadour die Wirkung der Todesnachricht auf die Dichterrunde reportierte, hinterfragte, ausdeutete, schien seinen CD-Titel zu konterkarieren, dass man die Vergangenheit nicht nacherleben könne. Eher schien es so, dass Andersen sie nie verlassen hatte. Er widmete Beat Avenue einem Weggefährten: "Dedicated to Bob Dylan, true poet, hard worker, man of constant wonder, good friend, teacher, the master."
Im nächsten Album The Street Was Always There (2004) kamen neben Dylan ( A Hard Rain’s A-Gonna Fall) auch andere Freunde von früher mit ihren besten, zeitgemäß arrangierten Topical Songs zu Ton: Tim Hardin ( Misty Roses), Pete La Farge ( Johnny Half-Breed), Phil Ochs ( I Ain’t Marching Anymore), Buffy St. Marie ( Universal Soldier) und so fort. Unter dem Eindruck des Irakkrieges, der sich zunehmend wie der Vietnamkrieg der Sixties entwickelte, klangen die von Veteranen wie John Sebastian und Happy Traum begleiteten Antikriegslieder nun wiederum wie aktuellste Gegenwart. Andersen gab der CD den Untertitel "Great American Song Series, Volume 1". Fortsetzung folgt.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
The Original New Folks (1964 mit u. a. Phil Ochs)
Today Is The Highway (1965)
’Bout Changes ’n’ Things (1966)
’Bout Changes ’n’ Things, Take 2 (1967)
Tin Can Alley (1968)
A Country Dream (1969)
Eric Andersen (1969)
Avalanche (1970)
Blue River (1972)
Stages (1973 erst 1991 als Stages – The Lost Album veröffentlicht)
Be True To You (1975)
Sweet Surprise (1976)
Midnight Son (1980)
Tight In The Night (1984)
Istanbul (1985 Soundtrack)
Ghosts Upon The Road (1989)
Memory Of The Future (1998)
You Can’t Relive The Past (2000)
Beat Avenue (2003)
The Street Was Always There (2004)
Waves (2005)
Zusammenstellungen (Auswahl):
The Best Of Eric Andersen (1988)
Violets Of Dawn (1999)
LPs mit Rick Danko und Jonas Fjeld:
Rick Danko/Eric Andersen/Jonas Fjeld (1992)
Ridin’ On The Blinds (1993)

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