Bryan Adams
Biografie
Bryan Adams Guy (voc, g), am 5. November 1959 im kanadischen Kingston, Ontario, geboren, war mit elf Millionen verkauften Platten in drei Jahren ein "Popkönig, der aus Versehen auf den Thron kam: Es mag einen nicht wundern, dass man ihn nicht liebt; aber wahrscheinlich ist man überrascht, dass man ihn nicht hasst" ("Village Voice"). Seine Rocker-Attitüde wirkte aufgesetzt, seine Stimme schien Raubeinigkeit vorzutäuschen, die Musik mochte Drama und Hysterie bloß simulieren, und sein Standard-Outfit mit T-Shirt, Jeans und derbem Schuhwerk kam Kritikern lediglich wie die Berufsuniform eines Arbeiter-Rockers vom Dienst vor. "Er siedelt im Springsteen-Territorium", notierte der "New Musical Express" hämisch: "Während man Bruce aber wenigstens glaubt, dass er in den Außenseiterbezirken der Stadt herumlungert, bleibt Bryan mit seiner ordentlichen Lederjacke immer jemand, der einem am langen Samstag in der Fußgängerzone mit einer Woolworth-Tragetasche in der Hand begegnen könnte."
Der Sohn eines Berufssoldaten in UN-Diensten wurde in Israel, Portugal und Österreich groß. Mit 17 Jahren traf er in Vancouver, Kanada, den Musikveteranen Jim Vallance, der seine Band Prism aufgegeben hatte und einen Demo-Sänger suchte. Ihre erste auf Platte veröffentlichte Kollaboration war der leidliche Disco-Erfolg Let Me Take You Dancing (1979). Die nachfolgenden beiden Alben fanden bei Fans wie Fachleuten kein Interesse. Erst mit Cuts Like A Knife schaffte Adams den Karrieredurchbruch, den er allein 1983 mit 283 Konzertauftritten festigte. Hits wie Heaven, The Summer Of ’69, Run To You, This Time, It’s Only Love (mit Tina Turner) gefielen auch Skeptikern als "Lieder jugendlicher Leidenschaft, die emotional glaubwürdig klingen" ("Rolling Stone"). "Bryan Adams wird nie einen Preis für Originalität gewinnen", erkannte "Stereo Review", "aber er ist mit Selbstbewusstsein und Energie bei der Sache."
Das trug ihm 1991 für den Titelsong (Everything I Do) I Do It For You zu dem Film "Robin Hood – König der Diebe" mit Kevin Costner einen Grammy ein. Die Musik stammte im Wesentlichen von Michael Kamen, aber Adams wich von der ursprünglichen Idee Kamens ab, den Song mit Cembalo und Laute zu instrumentieren, und verpasste ihm ein übliches Rockgewand. Der immense Erfolg des Songs, der in 16 Ländern Platz eins der Charts einnahm, allein in den USA sieben Wochen lang, machte es seinem nach mehreren Anläufen zustande gekommenen Album Waking Up The Neighbours leicht, Chart-Platzierungen waren ihm sicher. Wie um einer drohenden Orientierungslosigkeit vorzubeugen, nannte Adams die nächste LP So Far So Good (1993), eine Retrospektive auf die eigene Karriere. Die Ballade Have You Ever Really Loved A Woman (1995), mit der Flamenco-Gitarre Paco de Lucias angereichert, taugte wieder einmal zum Millionen-Hit – wie auch ein Jahr zuvor seine Kollaboration mit Sting und Rod Stewart, mit denen er 1993 All For Love für den Film "Die drei Musketiere" sang.
MTV erteilte ihm 1997 die höchste Weihe und ließ ihn Unplugged vor das Publikum treten. Drei neue Songs gab er der CD zum Ereignis bei, darunter mit Back To You wieder einen Hit. Das schöne neue Stück Hey Elvis wurde nur in der japanischen Ausgabe des Albums veröffentlicht. Mit der europäisch-amerikanischen Edition des Konzerts aus dem Hammerstein Ballroom des New Yorker Manhattan Center ging "Stereoplay" hart ins Gericht: "Das Konzept, den muskulösen Mainstream Rock des Kanadiers zu entschlacken, geht mindestens so häufig daneben, wie es klappt … Total daneben gehen Adams’ Breitwand-Hymnen, die einfach nach rockigem Drive verlangen." Die Weichspülung zahlte sich nicht aus. Unplugged erreichte in England Position 19, in den USA 88, Tendenz fallend. Das Anschlussalbum On A Day Like Today (1998) erreichte trotz der Bemühung, wieder an den früheren Rocksound anzuknüpfen, in den USA nicht einmal mehr die Top 100.
Adams duettierte zum Ende des Millenniums mit Celine Dion ( Let’s Talk About Love) und dem Spice Girl Melanie C ( When You’re Gone), trat in der 77. Royal Variety Performance für Prinz Charles im Londoner Lyceum auf und gab im Oakland Stadium, Kalifornien, das Vorprogramm zur "No Security"-USA-Tournee der Rolling Stones. "Der Musikmarkt" nannte die für Adams typischen Songs "Halbballaden". Das traf auch die zuletzt taumelnde Karriere: alles ein bisschen unentschieden. Aufs Cover und ins Booklet der CD Best Of Me (2001) ließ er Fotos drucken, die der Hobby-Fotograf hüllenlos von sich selbst gemacht hatte, aber beileibe nicht ganz nackt. "Es gibt Bilder von seinem Ellenbogen, seinem Fuß, seiner Hand, seinem Auge, seinem Knie, seinem Torso und seinem Hintern", ließ er seine Sprecherin Kim Blake vorab der Presse erläutern: "Es sind alle seine besten Stücke zu sehen, wie er es nennt." Here I Am sang er 2002 im Soundtrack (mit Hans Zimmer) des Cartoon-Films Spirit ( Stallion Of The Cimarron) über ein davongelaufenes Pferd und platzierte sich mit der Single im United Kingdom auf Platz fünf, mit dem Album auf Platz zehn.
In den USA und auf anderen Märkten galoppierte Bryan Adams im neuen Jahrhundert nur mehr unter "Ferner liefen …". Für Room Service (2004) leistete er sich noch nicht einmal mehr ein Studio, sondern produzierte die Basic Tracks auf Tournee, was Jörn Schlüter ("Rolling Stone") als Vorzug empfand: "Die meisten Lieder auf Room Service entschlacken Adams zu dem rechtschaffenen kanadischen Sonnyboy, den man auf der Bühne trotz der furchtbaren Singles immer noch zu sehen bekommt." So scheine Adams trotz mediokrer Lieder immerhin wieder klar zu sein, was alle Umstehenden seit langem wussten: "Everywhere I go the kids wanna rock.".
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Bryan Adams (1980)
You Want It, You Got It (1981)
Cuts Like A Knife (1983)
Reckless (1984)
Into The Fire (1987)
Live! Live! Live! (1988)
Waking Up The Neighbours (1991)
18 ’til I Die (1996)
MTV Unplugged (1997)
On A Day Like Today (1998)
Spirit (2002 Soundtrack)
Room Service (2004)
11 (2008)
Zusammenstellungen (Auswahl):
So Far So Good (1993)
Best Of Me (2001)
Anthology (2005)

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