Delay,Jan
Mixing, Programming
Delay,Jan
Jan Phillip Eißfeldt muss einem leid tun. Seit seiner Geburt durchlebt der inzwischen zu einem jungen Mann, zwar nicht gewachsenen, wohl aber gereiften Deutsch-Rapper ein Martyrium, das weder in einem Gulag noch auf Guantanamo schlimmer hätte sein können - er ist Deutscher und in dieser Republik auch noch wohnhaft. Mit schelmischen Blick auf Theo wir-sind-die-längste-Zeit-nach-Lodz-gefahren Wiesengrund lässt sich formulieren: Es gibt kein richtiges Leben im falschen Land.
Geboren wurde Jan Phillip Eißfeldt 1976. Und das Glück ist ihm gleich doppelt hold: Er wächst sowohl in der Musik-Metropole Hamburg als auch in einem künstlerischen Elternhaus auf. Über Kai Böcking, Stefanie Tücking und Konsorten findet Delay in der einzigen Musikvideo-Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zum HipHop. Über glückliche Umstände und reichlich Vitamin-B gelangt Delay in Kontakt mit vielen Repräsentanten der damals noch blutjungen deutschen Rapszene, zu der auch er schnell gehören wollte. Mit seinen Kumpels Dennis und Martin gründet er zu diesem Zweck die Truppe Absolute Beginner. Angefixt von den Werken solcher Pioniere wie Advanced Chemistry beginnen die drei, sich auf das Deutsch-Rap-Ding einzuschießen.
Etablierte Hamburger Punks tun das auch, weswegen es nicht weiter verwundert, dass die Beginner zunächst auf dem Punk- und Indie-Label Buback landen. Es folgen Sampler-Beiträge, erste eigene EPs und das Debüt-Album der Beginnerz: Flashnizm (Stylopath). Das wird auch erfolgreich betourt und live von einer kompletten Band dargeboten - aber was zu Acid-Jazz-Zeiten noch als hip galt, ist heute schon und in Ermangelung eigener instrumentaler Fähigkeiten "Rumgedudel". 1998 erscheint mit Bambule das zweite Album der Beginner, das nicht mehr vom Indie Buback, sondern von der damals größten Plattenfirma der Welt veröffentlicht wird, "um so, mit genug Zeit und Geld, die beste Rap-Platte zu bauen die Deutschland je gehört hat" (Zitat: Homepage).
Dass die Sache mit der Ökonomie dem Herrn Eißfeldt nicht ganz so schwer von der Hand ging, wie in seinen Texten immer gern behauptet, bewies er schließlich mit der Gründung eines eigenen Labels "Eimsbush", bei dem die Beginner wohlweislich nicht unterzeichneten. Dafür aber Dynamite Deluxe mit Samy Deluxe und La Boom, einem instrumentalen Seitenprojekt Delays. Inzwischen ist Eimsbush pleite, Delay aber immer noch bei Universal. Wessen Wein ich trink, dessen Lied ich sing'...
Also auch Nenas Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann. Dass das im Zusammenhang mit Liebes Lied zu Bravo-Postern führen würde, hatte man zwar nicht geplant, wohl aber gebilligt. Daraus entstandene Missgunst und andere Ressentiments führten zur Gründung der Sam Ragga Band und folgerichtig zur Veröffentlichung eines deutschsprachigen Reggae-Albums. Searching for the Jan soul rebels dampfte nur so vor Gesellschaftskritik, aber hüben wie drüben wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Im Anschluss unternahm Herr Delay einen weiteren Ausflug in Richtung HipHop. Die nächste Beginner-Platte erschien und auch Blast Action Heroes entwickelte sich zu einem waschechten Popknaller. Obwohl Delay von Musik-Auflegen wahrscheinlich soviel versteht, wie Sid Vicious von Gesellschaftskritik, scheint bei beiden - jeweils und wenigstens oberflächlich - eine Verbindung zu bestehen. Weswegen Delay sich als DJ Flashdance nennt, sich einen Helfershelfer namens Mixwell an Bord holt und auf Club-DJ-Tour geht.
Da auch das nicht auf ewig gut geht, und es noch immer so einige Sachen gibt, für die man seinen guten Namen noch hergeben kann, macht Herr Delay mit seinem erfolgreich eingeführten Markennamen jetzt nicht mehr Reggae, sondern Missy Elliott-Funk. Aber gleichzeitig ist Mercedes Dance natürlich auch Konsumkritik und so. Mit politischem Zeugs drinnen. Da werden die Konzerne auch mal beim Namen genannt. Und selbstverständlich ist Deutschland noch immer Scheiße - bis auf Rio und Udo.
Wir Kinder Vom Bahnhof Soul erscheint im August 2009. Es wird ein Nummer 1 Album in Deutschland. Die Singles Oh Jonny und Disko sind funkige Stimmungsmacher, die im Radio rauf und runter gespielt werden.