Start | Charles,Ray | Biografie & Steckbrief

Charles,Ray

Geburtstag:

23.09.1930
Geburtsort:

Albany, Georgia, USA
Todestag:

10.06.2004
Todesort:

Beverly Hills, Kalifornien, USA
Genre:

Vocal
Instrument:

Gesang
Klavier
Komponist

Charles,Ray

Ray Charles, der als Ray Charles Robinson geboren wurde und seinen tatsächlichen Nachnamen wegfallen ließ, um nicht mit dem gleichnamigen Boxer verwechselt zu werden, darf sich die Erfindung des Soul auf die Fahnen schreiben. Diese Ehre wird ihm zwar nicht ganz allein zuteil, den Mammut-Anteil an der bewussten und beabsichtigten Symbiose aus Pop, Gospel und R'n'B jedoch darf er für sich beanspruchen.

Geboren in Georgia und aufgewachsen in Florida, begann seine sukzessive Erblindung im Alter von fünf Jahren. Mit sieben war er vollständig blind. Auf einer staatlichen Schule für Blinde und Taube lernte er nicht nur diverse Instrumente kennen und spielen, sondern auch ohne Augenlicht die Orientierung im Leben zu behalten. Keine 17 Jahre alt beendet Charles die Schule und zieht an die amerikanische Westküste, nach Seattle. Dort kommt er sowohl mit dem noch blutjungen Quincy Jones, als auch mit der damals unter Musikern als cool und hip geltende Droge Heroin in Kontakt, den er im letzteren Fall knappe 20 Jahre aufrecht erhalten sollte.

Anfang der 1950er Jahre gelingt ihm ein erster Hit. Baby, let me hold your hand markierte den Anfang einer Entwicklung, an dessen Ende das steht, was man Jahre später als den Ray Charles-Stil bezeichnete. Ein diesbezüglich wichtiger Schritt gelingt dem blinden Pianisten mit der Vertragsunterzeichnung beim noch jungen Label Atlantic. Der dortige Hausproduzent Jerry Wexler ermutigt Charles immer wieder dazu, sich zu einer eigenständigen Künstlernatur zu entwickeln und statt nach Nat King Cole, Ruth oder auch Charles Brown doch lieber nach Ray Charles zu klingen.

1955 erscheint mit I've got a Woman der erste Hit, der als typischer Ray Charles-Klassiker durchgeht. Bis zum Ende der Dekade gelingen ihm noch ein paar weitere Verkaufsschlager, das Stelldichein bei Atlantic allerdings endet mit dem wohl größten Ray Charles-Hit aller Zeiten: Nach What'd I Say wechselt Charles - und das nicht nur des Wetters wegen - von dem in New York beheimateten Atlantic-Label zum Westküsten-Giganten ABC. Für das Einräumen weiter gehender künstlerischer Freiheiten bedankt sich Charles bei seiner neuen Plattenfirma mit ein paar weiteren inzwischen zu Welthits avancierten Songs. Hit The Road, Jack und Unchain my Heart sind dabei nur zwei von vielen.

Zum Schrecken der Funktionäre bei ABC setzte Charles 1962 die Aufnahme eines Albums durch, dass ausschließlich aus gecoverten Country & Western-Songs bestand. Da hatte sich Charles nach vielen Jahren harter Arbeit ein erfolgreich vermarktbares Klangprofil zu gelegt, nur um dieses mit einem Country & Western-Album nicht mehr zu bedienen. Dass Modern Sounds in Country and Western Music, Vol. I am Ende dermaßen erfolgreich war, dass sich ABC entschied, noch 1962, also im selben Jahr, den zweiten Teil dieses Albums augnehemen zu lassen und zu veröffentlichen, hatte nicht einmal Ray Charles zu träumen gewagt.

Sein Status als amerikanische Ikone war erstmals gefährdet, als er im Jahr 1965 wegen Heroin-Besitzes verurteilt wurde. Die Konsequenzen seiner Sucht sehr viel nachhaltiger einsehen könnend als jemals zuvor, entschied sich Charles zu einem vollständigen Entzug. Ob folgerichtig oder inkonsequent - sein erster Hit nach der geglückten Entwöhnung hörte auf den Titel Let's go get stoned.
Allerdings sollte es auch der letzte sein. Nur gelegentlich gelang ihm in der Folge eine Chartplatzierung. Davon unbeeindruckt festigte Charles seinen Status als amerikanische Ikone; er gab riesige Konzerte, mischte bei ein paar legendären Werbespots mit und autorisierte die Verfilmung seiner Lebensgeschichte. Das Drehbuch stellte er noch fertig; den daraus enstandenen Film mit dem schlichten Titel Ray allerdings, bekam er nie zu Gesicht. Ray Charles verstarb im Juni 2004. Still hittin' the road...